Material

Um mit der Aquarellmalerei zu beginnen, benötigst Du nur wenige Dinge. Hier zeige ich erstmal die Wichtigsten und dann steigern wir uns langsam zu den „Nice-To-Haves“.

Essentials

Papier

Gutes Aquarellpapier ist leider recht teuer, aber Du wirst feststellen, dass es große Unterschiede zwischen den jeweiligen Qualitäten gibt. Einfaches Zeichenpapier, wie man es vielleicht aus der Schule kennt, funktioniert jedenfalls nicht.

Auch ausgewiesenes Aqurellpapier in „Schülerqualität“ ist meist viel zu saugstark und daher eher unbrauchbar. Um die amtlichen Aquarell-Effekte zu erzielen, benötigt man entsprechendes Papier.

Zu empfehlen ist Papier der Qualität „cold pressed“ mit leichter Körnung, 100% Baumwolle, am besten nicht zu dünn, 300g sind ideal. Einsteiger sollten auf keinen Fall „hot pressed“ und satiniert ausprobieren.

Die rundum geleimten Blöcke sind meiner Meinung nach zu teuer und bieten nur kaum Vorteile. Ich finde, es genügt eine einfache Leimung. Alternativ auch einzelne Bätter, die sind aber eher nur in großen Formaten zu bekommen.

Wer sich sorgt, dass das Blatt zu wellig wird, kann es selbst spannen oder einfach im Nachhinein plätten.

Farben

Wenn man sich im Handel nach Aquarellfarben umsieht, wird es ziemlich schnell unübersichtlich. Die meisten Hersteller preisen ihr Produkt als „die“ Farbe an und innerhalb der Marken gibt es dann noch etliche Farbtöne.

Die Farbhersteller geben ihren Farbtönen phantasievolle Namen, das macht die Orientierung nicht leichter. Viel sinnvoller als „Bergblau“ oder „Saftgrün“ ist es daher, sich anzusehen, aus welchen Pigmenten der Ton entstanden ist. Die meisten Hersteller orientieren sich dabei an Pigmentdefinitionen der https://www.astm.org/. Listen der gebräuchlichen Pigmente findest Du hier oder hier.

Zusammengefasst kann man sagen: traue nicht den schönen „Marketingbezeichnungen“, lies das Kleingedruckte, in diesem Fall die Pigmentkennung, wie z.B „PV19“ oder „PG16“. Achte vor allem darauf, dass Du keine Pigmente nutzt, die eine mangelhafte Verträglichkeit gegenüber Licht haben. Die Lichtechtheit ist vielleicht das wichtigste Kriterium für die Auswahl von Farben. Ein Aquarell hat normalerweise nur einen außerordentlich dünnen Farbauftrag. Wenn das Pigment nach wenigen Jahren verblasst oder den Ton ändert, kann das sehr ärgerlich sein.

Man hat die Wahl zwischen Napf und Tube. Bei der Tube hat man meiner Meinung nach einen besser Preis, das kann aber auch täuschen. Auf der Palette eingetrocknete Farbe sollte vor der Arbeit mit dem Zerstäuber befeuchtet werden. Trotzdem habe ich das Gefühl, Farbe im Napf löst sich besser als eingetrocknete Tubenfarbe. D.h. es könnte von Vorteil sein, Tubenfarbe immer feucht zu halten oder sie immer nur frisch zu verwenden (das ist aber kostspielig).

Sennelier’s Aquarellfarbe in Tuben hat einen Zusatz von Honig. Da Honig quasi nie eintrocknet, bleibt diese Farbe auf der Palette länger frisch. Das hat sich bei mir jedoch als eher unpraktisch herausgestellt. Wenn ich z.B. auf Reisen male, schmiere ich die Farbe zwangsläufig irgendwohin, wo sie nicht sein soll…

Pinsel

Pinsel sind natürlich sehr wichtig. Man kann prinzipiell auch mit den Fingern, Schwämmen oder was auch immer malen, aber vielleicht solltest Du nicht gleich mit solch fortgeschrittenen Techniken loslegen 😉

Am ehesten assoziiert man mit dem Aquarell vermutlich den klassischen Kolinsky-Marder-Pinsel. Im Englischen findet man dafür die Bezeichnung „Sable Brush“, „Sabel“ bedeutet Zobel, also eine Art Marder.

Eine weitere Pinselvariante, die beim Aquarell sehr wichtig ist, nennt man Verwaschpinsel, oder englisch „Mop-Brush“ oder auch „Wash-Brush“. Diese Pinsel sind häufig aus dem Schweif von Eichhörnchen gemacht. Als Bezeichnung findet man dafür auf Pinseln „Petit gris“ und „Squirrel“ aufgedruckt. Mit diesen Pinseln kann man sehr gut größere Flächen gleichmäßig bzw. als Farbverlauf malen.

Pinsel unterscheiden sich aber nicht nur durch die verwendeten Haare, ob synthetisch oder Naturhaar, sondern auch durch die Form. Viele Künstler bevorzugen Pinsel mit flacher und breiter Spitze. Damit sind interessante und ausdruckstarke Striche möglich.

Mittlerweile gibt es auch sehr viele Künstler, die – auch aus Tierschutzgründen – auf Synthetic-Haare setzen. Sie sind meist günstiger als gute Naturhaarpinsel und wahrscheinlich nimmt man besser einen Synthetic als einen schlechten Naturhaar.

Bei asiatischen Künstlern habe ich häufig Bambuspinsel gesehen, ich glaube die Haare bestehen dabei aus Rehfell oder irgendwas anderes eher grobes Haar. Auch damit scheinen sehr ausdrucksstarke Striche möglich zu sein und dabei vielfältige Variationen gerade für z.B. Gras oder Bäume.

Bleistift

Ziemlich lahm, aber dennoch wichtig. Meine Empfehlung sind sog. Fallminen-Bleistifte. Die Weichheit der Mine ist eine Frage des Geschmacks. Weiche Minen schmieren mehr und können mit Wasser eine leicht grauen Ton erzeugen. Sie sind aber ausdrucksstark und man sieht sie besser durch das Gemälde durchscheinen.

Harte Minen sind dünner, schmieren nicht und sind praktisch für detaillierte Vorzeichnungen. Mit ihnen kann man aber nicht sonderlich expressiv und spontan arbeiten.

Übrigens: den hier empfohlenen Stift von Faber Castell ziert ein weißer Aufkleber. Hier hat man die Wahl zwischen abknibbeln und anschließend megaklebrige Reste entfernen – oder den Aufkleber einfach dranlassen, mich stört er nicht. Keine Ahnung, warum das sein muss…

Meehr Material

Das war es bereits mit den wichtigsten Materialien. Die folgenden Hilfsmittel sind nicht zwingend notwendig, erleichtern aber das Aquarellisten-Dasein.

Palette

Paletten gibt es in vielen Varianten. Es gibt sie aus Blech, Kunststoff oder Porzellan. Holzpaletten sind hier eher nicht angesagt.

Gerade für das Malen unterwegs oder auf Reisen gibt es regelrechte Faltwunder. Die Form, Ausmaße, Anzahl der Mulden/Clips und Größe der Mischbereiche sind sehr unterschiedich. Jeder sollte seine ganz private Palette suchen.

Knetgummi

Mit dem Radier-Knetgummi kann man überschüssige Bleistiftstriche entfernen. Dabei sollte man vermeiden, auf dem Papier herumzureiben, denn so beschädigt man die Papieroberfläche. Besser ist es, eine Kugel zu formen und damit über die betreffenden Stellen zu rollen. Klar, damit bekommt nicht alles sauber, aber das ist auch gar nicht so wichtig: Vorzeichnungen dürfen sichtbar sein.

Am besten immer nach der Arbeit wieder in das Kunststoffdöschen (falls vorhanden), dann bleibt der Knetgummi länger sauber und weich.

Klebeband

Gemeint ist Papierklebeband oder „Malerkrepp“, wie man es vom Anstreichen der Wohnung kennt. Damit kann man das Blatt auf einem Untergrund fixieren und einen hübschen weißen Rahmen um das Bild erzeugen.

Sprühflasche

Mit solch einem kleinen Zerstäuber kannst Du die Oberfläche immer wieder kurz befeuchten, bevor das Blatt während des Malens eintrocknet.

Außerdem kann man damit ein paar nette Sprenkeleffekte erzeugen, um z.B. Gras eine Textur wie von Pusteblumen zu geben oder einen diffusen Hintergrund zu erzeugen.

Maskierflüssigkeit

Mit Maskierflüssigkeit können im Vorfeld Stellen, die auf jeden Fall weiß bleiben sollen, gesichert werden. Das kommt häufig bei Portraits vor, z.b. bei Highlights in den Augen oder auf der Nase.

Die Flüssigkeit sollte eher mit einem Hilfsmittel wie einer Zeichenfeder aufgetragen werden als direkt aus der Flasche. Das gilt auch für Fluids, die aus einer kleinen Flasche mit Nadelspitze gedrückt werden können: dabei entstehen Blasen und man arbeitet ungenau. Bevor man über die Maskierflüssigkeit malt, sollte sie vollkommen getrocknet sein – sonst gibt es eine schöne Schweinerei.

Wenn das Bild fertig ist, benutzt man den Radier-Knetgummi, um das Fluid zu entfernen. Es gibt die Flüssigkeit meist in Blau oder Weiß. Blau wirkt während des Malens merkwürdig, mit Weiß bekommt man einen Eindruck des späteren Resultats.

Kreditkarte

Solange Farbe feucht (nicht nass) ist, kann man mit einer Kreditkarte aus Plastik Farbe wegkratzen. Praktisch, um beispielsweise bei einem Portrait angeleuchtete Haare zu erzeugen. Ein anderer Einsatz ist z.B. Grashalme bei einer Landschaft auszukratzen. Dunkle Farbe wird dabei entfernt und eine helle, negative Stelle wird sichtbar.

Tageslichtlampe

Wenn man nicht draußen oder bei Tag arbeiten kann, ist es wichtig, gutes Licht zu haben. D.h. helles und möglichst neutrales Licht. Klassische Glühbirnen, wie es sie kaum noch gibt, sind/waren viel zu gelbstichig. Aber auch normale LED-Lampen, deren Licht man vielleicht gemütlich findet, haben meist nicht die richtige Farbtemperatur. Erwünscht ist eine Farbtemperatur von 5300 Kelvin aufwärts. Darunter wird das Licht wärmer, darüber kälter (blauer).

Föhn

Häufig muss das Bild zwischen den Malabschnitten trocknen. Ein kleiner Föhn ist sehr nützlich, um die Wartezeit drastisch zu verkürzen.

Staffelei

Meist ist es erwünscht, dass das Bild wenigstens leicht schräg liegt, somit kann die Farbe besser verlaufen. Dazu genügt ein Tisch und irgendein Gegenstand, um die Schräge zu erzeugen. Einige Künstler montieren das Bild sogar senkrecht und lassen die Farben richtig fließen. Hier wird eine Staffelei sehr nützlich. Wenn man draußen malt, braucht man sowieso ein Gestell und für solches plain-air-Malen gibt es sogar multifunktionale Staffeleien mit eingebauter Palettenhalterung und Ablagen.

Pinselseife

Zur Reinigung besonders feiner Naturhaarpinsel empfehlen Hersteller spezielle Pinselseife. Die Seife reinigt und pflegt das Haar bis in die Spitzen – Moment mal! Geht das vielleicht auch mit Shampoo?

Wasserbehälter

Klingt vielleicht trivial, aber auch darüber muss man kurz nachdenken. Wenn man genug Platz hat, am besten einen Eimer zum schnellen, groben Auswaschen und ein kleineres Gefäß für sauberes Wasser. Mindestens aber ein nicht zu kleines Glas, damit man immer mit klarem Wasser arbeitet.

Spiegel

Einen Spiegel hat wohl jeder zu Hause. Spiegel sind sehr praktisch, wenn man Portraits malt. Mit ihrer Hilfe kann man gut bewerten, ob ein Portrait genug Ähnlichkeit hat: das Bild im Spiegel betrachten und man sieht gleich, ob etwas nicht stimmt.

Küchenrolle

Fürs Abtupfen eines zu nassen Pinsels, Tropfen entfernen oder sonstige Reinigungsarbeiten unverzichtbar. Zum Abtupfen etwas sparsamer könnte ein einfacher Küchenschwamm sein.